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Die Launen des Lebens in Dankbarkeit annehmen

Wir besitzen einen Luxus AN Leben, der sich oft erst zeigt, wenn er brüchig wird. Wenn Bedürfnisse nicht mehr selbstverständlich gestillt sind, wenn Farben matter erscheinen oder plötzlich greller, beinahe schmerzhaft. Das Leben hat Launen. Nicht im kindlichen Sinn, sondern in jener tiefen, unberechenbaren Bewegung, die uns hebt und fallen lässt, ohne Vorwarnung, ohne Erklärung.

Die Launen des Lebens zeigen sich nicht nur im Wechsel zwischen Schmerz und Leichtigkeit, sondern in der Einladung, beides zu halten. Tiefe Dankbarkeit wächst selten aus dem Unversehrten. Sie entsteht dort, wo etwas gefehlt hat. Wo Wasser nicht floss, wird jeder Tropfen kostbar. Wo Stimmen verstummt sind, bekommt Stille Gewicht. Wo der Körper schmerzt, wird ein schmerzfreier Atemzug zu einem Geschenk, nicht zu einer Selbstverständlichkeit.

Dankbarkeit ist dann kein lautes Gefühl, kein jubelndes „Alles ist gut“. Sie ist leise. Erdverbunden. Fast demütig. Sie sagt nicht, dass das Leben fair ist – sondern, dass es trotz allem da ist. Dass es trägt, selbst wenn es schwankt. Die Laune des Lebens zwingt uns, genauer hinzusehen: auf das, was bleibt, wenn vieles wankt. Auf das, was sich nicht erzwingen lässt und gerade deshalb berührt.

Vielleicht ist Dankbarkeit genau dieses weiche Einverständnis mit der Unvollkommenheit. Das Anerkennen, dass Freude nicht trotz der Brüche existiert, sondern durch sie hindurch. Dass das Lachen der Kinder tiefer klingt, wenn man weiß, wie still ein Haus werden kann. Dass Wärme mehr bedeutet, wenn man Kälte kennt. Dass Liebe heller leuchtet, wenn man ihren möglichen Verlust schon gespürt hat.

So wird die Laune des Lebens zu einer Lehrerin, die nicht schont. Sie zeigt uns, dass nichts garantiert ist – und gerade darin liegt der Wert. Jeder Moment, der gelingt, ist kein Recht, sondern ein Geschenk. Jeder Augenblick des Lichts ein stilles „Danke“, auch wenn es nie ausgesprochen wird.

Und vielleicht ist tiefe Dankbarkeit nichts anderes als diese Haltung: das Leben nicht festhalten zu wollen, sondern es wahrzunehmen. In seiner Unberechenbarkeit. In seiner Zartheit. In seinem immer wieder überraschenden Vermögen, uns zu berühren – genau dort, wo wir offen geblieben sind.

In tiefer Dankbarkeit meine innere Stimme nach außen tragen zu können, Nadine

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